Mittwoch
30.05.18

Kriminelle Energien, Aktivismus & Kunst


Ein Gespräch über die (Ent-)Kriminalisierung von Kunst und ihr alltägliches Interventionspotenzial. Radikaler Politaktivismus meets Kunstspektakel. Wann wird der Gesetzesbruch zur Protestkunst? Wie weit darf und muss Kunst gehen?

Lesung & Gespräch


Datum: 31.05.18
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 19:30 Uhr


Welche Dynamik existiert zwischen Kriminalität und Kunst? Wie lässt sich der Reiz erklären, der Kulturschaffende zur Grenzüberschreitung treibt? Setzt dieser Prozess produktive Energien frei? Karsten Panzer und Florian Hesselbarth versuchen eine Antwort auf die Frage zu finden, ob sich Kunst und Kriminalität schon immer gegenseitig bedingen. In ihrer Lesung begehen sie die kriminellen Pfade der Kreativität, grenzen das Eine vom Anderen ab, um es zuletzt doch wieder zu verbinden. Wo hört die Kunst auf und wo beginnt die Kriminalität? Und können arme Kulturschaffende überhaupt überleben, ohne kriminell zu werden?

Freiheit, Kriminalität und Kunstwelt – festgeglaubte gesellschaftliche Grenzen werden von Aktivismus und Kunst im Kontext krimineller Energie zunehmend erschüttert. Im Zentrum der Betrachtungen stehen Aktivist*innen, die über künstlerische Maßnahmen politische Ziele zu erreichen versuchen. Das Kunstspektakel wird zur neuen Protestform erklärt. Welche Möglichkeiten ergeben sich aus dem Gefüge von Kriminalität und Kunst? In welchem Kontext, ja sogar in welcher Notwendigkeit stehen sie zueinander? Wie weit darf und muss Kunst gehen?


Jetzt unverbindlich anmelden

Lesung

Florian Hesselbarth

Freischaffender Künstler – Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Florian Hesselbarth hat Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert und sein Diplom mit Auszeichnung abgeschlossen. Seitdem arbeitet er als freischaffender Künstler in Berlin. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf Kurzgeschichten, Druckgrafik und Performances, die immer bereichernd, anregend und humorvoll. Florian Hesselbarth bezeichnet sich selbst als den besten Künstler aller Zeiten.

Leonid Panzer

Künstler, Fotograf, Krimineller

#geboren #ddr #glücklich #wende #kriminell #mehrkriminell #absturz #verliebt #einbisschenkriminell #student #vielkriminell #künstler #amkriminellsten #absturz #bauer #schweiz #comeback #künstler #einwenigkriminell #bauer #galeriest #hochstapler #extremkriminell #verliebt #italien #kunsthallendirektor #künstler #schriftsteller? #fotograf #undkriminell #neugeboren #karstenpanzer

 

Speaker*innen

Christophe Knoch

Jurist, Allianz der Freien Künste, letzter Assistent von Christoph Schlingensief

Christophe Knoch ist Volljurist und fand seinen Weg in die Kunst durch die Organisation einer Lesereise mit Witold Gombrowicz‘s Witwe und Otto Sander; er nahm an der litCologne als Moderator mit Schriftsteller*innen, wie u.a. Geoffrey Eugenides, teil. Er war am Theater Bielefeld Künstlerischer Betriebsdirektor und war Teil der Produktionsleitung der Oper La Monnaie, Brüssel. Als letzter Assistent von Christoph Schlingensief wurde ihm nach dessen Tod im August 2010 die Geschäftsführung der Festspielhaus Afrika gGmbH zum Bau des Operndorfes in Burkina Faso anvertraut. Im Frühjahr 2011 gründete und leitete er das Mica Moca project berlin e.V. Von 2012 bis 2018 war er Sprecher der Koalition der Freien Szene in Berlin und seit 2017 koordiniert er die „Allianz der Freien Künste“.

Christoph Faulhaber

Künstler, Regisseur und Autor

Er bettelt in Burburry-Outfits vor Burburry-Läden, bewacht als »Mister Security« im Auftrag der Öffentlichkeit die Straße (und die Security) der amerikanischen Botschaft, verkauft in Florida heruntergekommene Häuser auf Kuba, und in der Hamburger Hafencity errichtete er ein provisorisches Auffanglager für Guantanamo-Häftlinge. Die künstlerischen Interventionen von Christoph Faulhaber lassen die Fassaden der Realität transparent werden. Seine Arbeit untersucht die Grenzen des öffentlichen Raums und präsentiert sie als umkämpftes Territorium konfliktreicher Interessen, als einen Ort, an dem sich das Private und das Politische überschneiden. Faulhaber wurde nicht nur vom deutschen Geheimdienst beobachtet, sondern auch das FBI und Abteilungen der Homeland Security untersuchten ihn.

Branko Simic

Regisseur und Festivalkurator

Branko Šimić ist Regisseur und Festivalkurator. Geboren in Tuzla, aufgewachsen in Bosnien und Herzegowina, studierte Branko Šimić Schauspiel in Sarajevo und absolvierte ein Regiestudium in Hamburg. Seine Arbeiten sind in den letzten Jahren u.a. auf Kampnagel, bei den Wiener Festwochen, am Stadttheater Würzburg oder am Nationaltheater Sarajewo zu sehen. In seiner neuesten Arbeit skizziert Branko Šimić drei Künstlerpersönlichkeiten, die aufgrund ihrer künstlerischen Positionen bedroht und verfolgt wurden und ihre Heimatländer verlassen mussten: “Protest Portraits“ verhandelt anhand der drei Portraits den individuellen und künstlerischen Protest: gegen das System, gegen religiöse Moralvorstellungen, gegen eigene Grenzen, gegen Normen oder politischen Zeitgeist.


Jan Nikolai Nelles

Multidisziplinärer Künstler

Jan Nikolai Nelles ist ein multidisziplinärer Künstler aus Berlin. Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Medien und bildender Kunst, Dokumentarfilm und kulturellem Aktivismus. Seine Arbeit reflektiert die Absurdität der menschlichen Verhältnisse und beschäftigt sich mit Fragen, die durch hegemoniale und neokoloniale Machtstrukturen und Repräsentationen zwischen dem globalen Süden und Norden sowie den verschiedenen Facetten des Krieges und seiner Folgen entstehen. Er und seine Kollegin Al-Badri haben ohne Erlaubnis den Kopf der Nofretete im Neuen Museum Berlin gescannt und anschließend die Freigabe der 3D-Daten des Nofretete-Kopfes unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht und das Replik in Ägypten ausgestellt und danach den 3D Druck in der Sahara Wüste vergraben.

Moderation


Katharin Ahrend

Kulturmanagerin und kulturpolitische Vertreterin

Katharin Ahrend studierte Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik- und Theater in Hamburg. Ihre Masterarbeit schrieb sie bei Amelie Deuflhard über Chancen und Herausforderungen von Kunstproduktionen an der Schnittstelle von Politik und Gesellschaft. Seitdem sie 2013 im Rahmen ihres Praxissemesters für das Kulturprogramm des Goethe-Instituts in Ramallah arbeitete, verschlägt es Katharin Ahrend bis heute regelmäßig in die Nahost-Region, um einerseits bei hiesigen Kulturprojekten mitzuwirken und andererseits Künstler*innen eine Plattform in Deutschland zu geben. Zudem arbeitet sie seit vielen Jahren in der Organisation und Gestaltung diverser Musik- und Kunstfestivals mit. In Berlin arbeitet sie aktuell als Kulturmanagerin und kulturpolitische Vertreterin in der Alten Münze

Veranstaltungsort


Gleis D
Hüttenstraße 22B
30165 Hannover


Eintritt


Spendenbasis

 

Im Anschluss

 

ab 21:00 Uhr


Im Kontext der Bewerbung Hannovers um die Kulturhauptstadt 2025 laden wir gemeinsam mit dem Kulturbüro zu einem Vernetzungstreffen aller Kulturakteure*innen und Kreativschaffenden ein. Im Anschluss möchten wir über Impulse der freien Szene für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt austauschen. Wie können Spontanität, Risikobereitschaft und institutionelle Unabhängigkeit durch die Bewerbung innovativ gefördert und eingebunden werden?